Hintergründe der Norla

Die vom 5. bis zum 8. September 2013 in Rendsburg (Schleswig-Holstein) jährlich stattfindende Messe war ursprünglich eine rein landwirtschaftliche Fachmesse. Hier treffen sich unterschiedliche Branchen, um sich geschäftlich zu vernetzen und die neuesten technischen Entwicklungen der Tierausbeutungsindustrien zu zelebrieren. Neben regionalen Fachverbänden und Ausstellern, z. B. dem Geflügelwirtschaftsverband Schleswig-Holstein und Hamburg e.V., der Rothkötter Mischfutterwerk GmbH und den Volksbanken und Raiffeisenbanken in Schleswig-Holstein, sind auch internationale „Big Player“ wie Unilever, Big Dutchman und Hansa-Milch vertreten. Die Ansammlung dieser marktführenden und –bestimmenden Unternehmen und Lobbyisten wird zum Austausch über Techniken, Gerätschaften und Dienstleistungen genutzt, die alle das Ziel verfolgen, die Verwertung tierlicher Individuen noch effizienter und produktiver umzusetzen. Die von ihnen selbstverständlich vorausgesetzte und angewendete Gewalt an Tieren ist demnach immer Grundlage ihrer wirtschaftlichen Interessen.

Zusätzlich dient die Messe mittlerweile mit vielen tierbezogenen Programmpunkten und Attraktionen als Verbraucher- und Familienevent und im 2jährigen Rhythmus ist die sogenannte Landestierausstellung Bestandteil der „Norla“. Eltern können ihren Kindern lebendige und zum Anfassen bereitgestellte Tiere zeigen, die sie sonst nur auf ihren Tellern finden. Ziegen werden gemolken, Schafe geschoren und Kühe frisiert, eine Spaß-Veranstaltung für alle. Nur nicht für die betroffenen Tiere, denn die werden nicht selten auf langen Transportwegen zur Landestierschau gebracht, müssen tagelang die an ihnen vorbeiströmenden Besucher, Lautstärke und grelle Beleuchtung ertragen. Diese ungewohnte Umgebung und Reizüberflutung bedeutet für jedes tierliche Individuum körperlichen und psychischen Stress.

Einzelne vorgeführte und ausgestellte Tiere – die „Milch“Kuh, das „Fleisch“Rind, das „Woll“Schaf – sollen stellvertretend die Rolle für ihre Millionen nachgezüchteten, eingesperrten und verbrauchten Geschwister übernehmen. Derart verharmlost und beschönigt präsentiert, verschaffen sich Wirtschaftsunternehmen, deren einziges Ziel darin besteht, Tiere effektiv und gewinnorientiert zu vermehren und als Waren zu vermarkten, damit ein freundliches Image. Sie verfestigen außerdem die Lüge der vermeintlich alternativlosen Tierausbeutung, die zur Ernährung und Versorgung der Menschen notwendig sei. Andererseits erfreut sich das Publikum an der Nähe zu den zur Schau gestellten „Nutz“tieren und beruhigt damit das Gewissen gegenüber den unsichtbaren Individuen in den Mastanlagen und Schlachtfabriken. Die realen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Natur werden dabei ebenso verdrängt wie auch aktiv von den Unternehmen verschleiert, indem sie ihre Praktiken und Haltungsmethoden durch „artgerechte“, „ökologische“ und „tierschutzgerechte“ Siegel und Label ‘grünwaschen’.

Weder für die Aussteller noch für die Besucher steht es in einem Widerspruch, diese Tiere – deren Nutzen schon die Bezeichnung erkennen lässt – zu streicheln und sich an der nächsten Bude das Fleisch eines ihrer Artgenossen einzuverleiben. Daran ist deutlich zu erkennen, dass Gewalt an Tieren und deren Entwürdigung zu Produkten und Produktlieferanten im Kapitalismus und in unserer Gesellschaft feste Bestandteile sind, die viel zu oft noch nicht einmal als solche wahrgenommen werden.